Provincial Nominee Program (PNP): Provinzprogramme im Überblick

Kanada will zusätzlichen 2'000 in Kanada tätige Temporärarbeitern ermöglichen, die Bewilligung zum Daueraufenthalt zu erhalten. Interessant an dieser Ankündigung ist die Absicht, dass diese Initiative sich an angelernte Berufstätige (NOC "C"), die in Kanada arbeiten. In den vielen Einwanderungskategorien werden normalerweise Berufserfahrungen als Manager, Akademiker oder Berufsfachleute verlangt. Unter NOC "C"- Jobs fallen beispielsweise Trucker, Receptionist, Verlaufs- oder Sicherheitspersonal. Diese soeben angekündigten, zusätzlichen Plätze werden den einzelnen Provinzen zugewiesen und in die jeweiligen PNPs integriert.

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Neben den Einwanderungsmöglichkeiten auf Bundesebene haben auch die Provinzen und zwei Territorien ihre eigenen Einwanderungsprogramme, die es ihnen erlauben, aufgrund ihrer eigenen Kriterien selber potenzielle Einwanderer auszuwählen und bei den Einwanderungsbehörden für eine Daueraufenthaltsbewilligung (PR) zu "nominieren". Diese Programme werden unter dem Begriff “Provincial Nominee Program” (PNP) zusammengefasst, ausser in Quebec. Die Belle Province hat ihr eigenes Immigrationssystem ("Immigration, Diversité et Inclusion Québec"), welches begrifflich nicht unter die Bezeichnung “PNP” fällt, aber materiell ähnlich ist.

Die über 50 Provincial Nominee Programs sind für Einwanderer eine attraktive Alternative zu bundesstaatlichen Einwanderungsprogrammen. Jede einzelne Provinz und zwei der drei Territorien haben ihre eigenen, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen, hauptsächlich wirtschaftlich motivierten Programme.

Sie richten sich an verschiedene Zielgruppen. Hauptsächlich an (meistens jüngere,) berufserfahrene, gut Qualifizierte mit genügend bis guten Sprachkenntnissen und einer Affinität zur fraglichen Provinz. Einzelne Programme richten sich auch an Investoren oder Unternehmer. Je nach wirtschaftlicher Situation werden bestimmte Berufsgruppen bevorzugt. Da liegt wohl auch die Chance für diejenigen Einwanderungswilligen, die über eine geringere Berufsqualifikation verfügen. Meistens wird ein Stellenangebot beim Antrag verlangt, es gibt aber auch Ausnahmen.

Die Einwanderung läuft dann in einem zweistufigen Prozess ab: Zuerst wählt die Provinz ihre Kandidaten aus und schlägt sie den Einwanderungsbehörden vor ("Nomination", "Certificat de sélection du Québec"). Und die entscheiden dann über den Einwanderungsantrag.
Eine Nomination durch die Provinz bedeutet für einen an Kanada interessierten Auswanderer eine fast an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, eine Permanent Residency PR ausgestellt zu bekommen.
Die meisten PNPs verlangen ein Stellenangebot, einige Provinzen akzeptieren nur Berufstätigkeiten, die auf einer eigenen eigens geführten Berufsliste aufgeführt sind. Aber es gibt auch einige Kategorien, die kein Jobangebot als Voraussetzung haben. So zum Beispiel:
  • Saskatchewan: International Skilled Worker - Occupations In-Demand
  • Manitoba: International Education Stream (STEM)
  • Ontario: International Students - Masters Graduate Stream
  • Prince Edward Island: PEI PNP Express Entry
Die meisten PNP-Programme haben eine Express-Entry-Komponente. Express Entry bedeutet einen unter Umständen relativ raschen Immigrationsprozess. Voraussetzung ist aber, dass Kandidaten sich dafür qualifizieren. Was aber, wenn man sich nicht für Express Entry qualifizieren kann? Provinzen offerieren auch Alternative, nämlich nicht punktebasierte Einwanderungswege.

Gewisse Kategorien funktionieren nach dem Prinzip (“First come, first served”). Das Beispiel zur Stunde ist Nova Scotia’s Demand Express Entry (Cat “B”). Dieses Program ist so beliebt, dass das Programm in der Regel nur wenige Stunden offen ist. Die Ankündigung, dass das Programm (wieder) geöffnet wird, geschieht meistens auch sehr kurzfristig. Interessenten, die sich für diese Einwanderungskategorie interessieren, müssen also wachsam, vorbereitet und schnell sein.

Eine wachsende Anzahl von Provinzen schalten als erste Stufe beim Immigrationsantrag eine sogenannte “Expression of Interest” ein. Das heisst nicht anderes, als qualifizierte an der Provinz Interessierte zuallererst auf einem formalen Weg ihr Interesse auf Niederlassung kundtun müssen. Die Provinz behält sich dann vor, einzelne Kandidaten auszuwählen und für die Immigration zu nominieren. Beispiele wären:
  • Saskatchewan International Skilled Worker - in Demand
  • Saskatchewan Express Entry
  • New Brunswicks Express Entry Labour Market Stream
  • Manitobas Human Capital Pathway
  • Prince Edward Island Express Entry
Es gibt auch Provinzen, die in zeitlichen Abständen den Express-Entry-Pool ihrer Sicht nach attraktiven Kandidaten Ausschau halten und nominieren. Das heisst, dass auch Kandidaten, die nicht die nötige Mindestpunktzahl erreichen, dennoch für die Immigration nominiert werden könnten.
Vermehrt wird beim Einwanderungsprozess als Vorstufe eine sogenannte “Expression of Interest” (EOI) gefordert. Mit einer EOI wird den Einwanderungsbehörden zuerst formal signalisiert, dass ein Interesse an der Einwanderung nach Kanada besteht. Die Behörden wählen dann aufgrund eigener Kriterien die ihrer Ansicht nach attraktivsten Kandidaten aus. Prominenteste Anwendung findet dieses Prinzip bei Express Entry, wo qualifizierte Kandidaten in einen Pool kommen und damit ihr EOI bezeugen. Aber auch bei den Provinzen gewinnt dieses Prinzip an Beliebtheit und wird für spezifische Einwanderungskategorien sukzessive eingeführt - so beispielsweise in Manitoba, New Brunswick oder Newfoundland & Labrador. Meistens verknüpfen die Behörden eine EOI mit Bedingungen wie Qualifikation für Express Entry oder Berufserfahrung in einem der “in-Demand”-Jobs.