Express Entry ('EE'): Der Mechanismus, Ziehung, Zahlen (Punkte, Einladungen)

2750 Kandidaten wurden aus dem Express-Entry-Pool in der aktuellen Ziehung ausgewählt. Oder anders ausgedrückt: Es waren mindestens 452 Punkten im Express-Pool nötig, um von den Einwanderungsbehörden die Aufforderung (oder “Einladung”) zu erhalten, den Antrag auf dauerhaften Aufenthalt einzureichen. Die geforderte Mindestpunktzahl ist im Vergleich zu früheren Ziehungen doch eher wieder an der oberen Bandbreite zurückgekrebst. Diese Punktzahl ist nicht unerreichbar aber der in den letzten Monaten beobachtete Trend Richtung tiefere Punktzahl ist gebrochen worden.

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Seit Januar 2015 wird das Bewilligungsverfahren für eine dauerhafte Niederlassung in Kanada (Permanent Residency, PR) für den grössten Teil der Antragstellenden über das neu eingeführte sogenannte Express Entry-System abgewickelt. Express Entry ist kein neues Einwanderungsprogramm, sondern ein neues, online- und punktebasiertes Selektions-Managementsystem für die Einwanderungsanträge. Galt früher bei der Bewilligung von Anträgen die Devise “Wer zuerst kommt, malt zuerst”, so werden heute diejenigen bevorzugt, die am meisten Punkte aufgrund verschiedener Kriterien erhalten. Dieses System wird bei einigen bundesstaatlichen wie auch bei einigen Einwanderungsprogrammen der Provinzen angewandt.

Um für den bundetaatlichen Express Entry-Weg “teilberechtigt” zu sein, muss man sich unter einer der drei Einwanderungsprogrammen “Federal Skilled Worker”, “Federal Skilled Trades” oder “Canadian Experience Class” qualifizieren, will heissen die jeweiligen programmspezifischen Anforderungen erfüllen.

Erst dann ist es möglich, das geforderte Online-Profil im Express Entry-Pool zu erstellen und aufgrund der eigenen Angaben zum Fragekatalog eine Punktzahl zu generieren. Das Online-Profil erlischt nach einem Jahr und muss gegebenenfalls wieder neu aufgesetzt werden.

Maximal können 1200 Punkte erreicht werden. Dabei gibt zwei Punkteblöcke: Maximal 600 Punkte können anhand von Kriterien wie Ausbildung, Berufserfahrung, Alter, Sprachkompetenz, u.a. erreicht werden. Auswertungen zeigen allerdings, dass “bereits” 450 Punkte einen Spitzenwert darstellt. Allerdings können auch weitaus weniger Punkte zum Ziel führen, wenn eine Unterstützung des Antrags (“Nomination”) durch eine der Provinzen oder Territorien vorliegt. Denn das gibt zusätzliche 600 Punkte.

Die wenigsten Bewerber werden eine Jobangebot oder eine Nomination vorweisen können. Dann muss zwingend in einem zweiten Schritt innerhalb von 30 Tagen seit Erstellen des Online-Profils ein Stelleninserat auf der Jobbank der Regierung publiziert werden. Weitere können bei Drittfirmen oder Rekrutierungsstellen platziert werden.
Potenzielle Arbeitgeber haben Einsicht in die Jobbank. Finden sie einen geeigneten Stellenkandidaten auf dieser Datenbank, dann können sie diesem - vorausgesetzt, sie haben die behördliche Erlaubnis, resp. eine positive 'Labour Market Impact Assessment' (LMIA, früher LMO) vorliegen - eine Stelle offerieren. Das gibt Punkte.

Im Express-Entry-Pool werden die Kandidaten laufend in einer nicht öffentlichen Bestenliste nach Punktezahl eingereiht.

In regelmässigen Abständen wählt dann der Computer der Immigrationsbehörde die 'Punkte-Besten' in einem sogenannten 'Draw' heraus und schickt diesen Kandidaten eine 'Invitation to Apply' (ITA) zu. Die Kriterien für die Auswahl der Kandidaten können von 'Draw' zu 'Draw' variieren, werden aber jeweils vorgängig publiziert. Wer ein solche Einladung (ITA) erhält, kann bzw. muss innerhalb von 90 Tagen mit den nötigen Unterlagen bei den Einwanderungsbehörden eine PR beantragen und kann - bei positivem Bescheid - relativ schnell einreisen.

Eine Qualifikation für den Pool bedeutet also nicht automatisch eine ITA und eine ITA bedeutet nicht automatisch eine PR.

Der neue Prozess soll die 'Besten' schneller nach Kanada bringen. Wurde früher ein Antrag 'sofort' entschieden, muss jetzt der Kandidat auf den Entscheid warten. Er weiss nicht, wo er rangmässig steht und ob die Punktezahl reicht, um beim nächsten 'Draw' den 'Cut' zu machen. Und es kann also ein langes und evt. vergebliches Warten werden. Der Tipp in dieser Situation: Schon vorgängig versuchen, mit geeigneten Massnahmen eine möglichst hohe Punktezahl anzustreben. Und ein weiterer Tipp: Beim Ganzen sollte man nicht vergessen, dass Express Entry ein Weg zur PR ist. Es gibt aber weiterhin separate Einwanderungsprogramme, zum Beispiel die der einzelnen Provinzen.

1) Max. 600 Punkte sind erreichbar ohne Jobangebot oder Nomination durch Provinzen / Territorien.
2) Maximal erreichbare Punktzahl: 1'200 Punkte. Eine Nomination durch Provinzen / Territorien bringt 600 Punkte, ein Jobangebot ab 19. November 2016 'nur' noch 50 Punkte und in ein paar wenigen Fällen 200.
Diese Grafik gibt Aufschluss darüber, wieviele Personen mit welcher Punktzahl (resp. Bandbreite der Punktzahl) im Pool sind.
Anzahl Einladungen an Kandidaten, die Unterlagen für PR einzureichen.
Französischsprachige und jene, die bereits Geschwister in Kanada haben, können ab Juni zusätzliche Punkte bekommen. Auch die Registrierung in der Stellenvermittlungsdatenbank "Jobbank" wird ab dann fakultativ. Um Punkte zu bekommen, müssen Kandidaten im Französischtest mindestens das Niveau von CLB 7 in allen vier Sprachkompetenzen erreichen und im Englischen mindestens das CLB-Niveau 4 erreichen, dann gibt es 15 Punkte. Sollte neben dem guten Französischen im Englisch gar ein CLB 5 erreicht werden, dann gibts es sogar 30 Punkte.
Zusätzliche 15 Punkte erhalten Express-Entry-Kandidaten oder deren Partner, die bereits einen in Kanada wohnhaften Geschwisterteil haben, der mindestens 18 Jahre alt ist und entweder die kanadische Staatsbürgerschaft oder PR besitzt.
Die in den letzten Monaten vorgenommenen Änderungen in der Punktebewertung einzelner Kriterien deuten darauf hin, dass in Zukunft mehr Wert auf weiche (Integrations-)Faktoren wie Sprachkomptenz, Bezug zu Kanada - sei durch Familie, Studium oder Arbeitserfahrung - gelegt wird, als wie bis an hin auf das Kriterium "Jobangebot".
Das 2015 gestartete Express Entry System ist ein auf Punkte basiertes Selektionssystem, wobei maximal 1’200 Punkte erreicht werden können. So gibt es einmal bis maximal 600 Punkte je nach individueller Lebens-, Ausbildungs- und Berufssituation sowie zusätzliche 600 Punkte falls eine der Provinzen die Auswanderung unterstützt (“Nomination) oder ein LMIA-gestütztes Arbeitsangebot vorgewiesen konnte.
Diese zusätzlichen 600 Punkte garantieren praktisch die Wahl durch die Einwanderungsbehörde. Oder besser gesagt: "garantierte", denn nun wartet Express Entry ab 19. November 2016 mit einer ersten Tranche an Neuerungen auf:
  • LMIA verliert punktemässig an Wert: Inskünftig gibt es keine 600 Punkte mehr, sondern nur noch 200 für den kleinen Kreis der Berufsgattung ‘Senior Managers’ und 50 Punkte für die restlichen qualifizierten Stellenangebote. Das heisst auch, dass ab 19. November auf einen Schlag diejenigen mit einer LMIA im Express Entry Pool 550 Punkte und damit einen signifikanten Bewerbervorteil gegenüber denjenigen verlieren, die keine ‘Job Offer’ vorweisen können.
    600 Punkte sind weiterhin mittels Nomination durch eine Provinz möglich. (Vgl. die diversen Provincial Nominee Programs)
  • Neu soll sich (endlich) ein Studium in Kanada auch punktemässig im Express Entry-Pool auszahlen. Je nach postsekundärem Programm kann es bis 15 oder sogar 30 zusätzliche Punkte geben und damit den Weg zur Niederlassung ebnen.
  • Fristerstreckung: Diejenigen, die aufgefordert werden, das Antragsdossier einzureichen (ITA) haben nun 90 (statt wie bisher 60) Tage Zeit die Dokumentation zusammenzustellen.